Pressemeldung Nr. 44 vom

Vorsicht vor Verzehr von Fischen aus Flüssen – Grüne wollen die Ursachen klären lassen

Darum geht’s

Seit heute (Mittwoch, 6. Mai) ist das Corona-bedingte Angelverbot in gewerblich betriebenen Angelteichen aufgehoben, wie das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitgeteilt hat. Gleichzeitig warnt dasselbe Ministerium seit gut einer Woche landesweit vor dem Verzehr von Fischen aus niedersächsischen Flüssen. Denn diese sind schwer mit giftigen chemischen Rückständen, sogenannten per- und polyfluorierten Alkysubstanzen (PFAS),  belastet, die zum Teil sehr langlebig sind und sich über die Nahrungskette auch beim Menschen anreichern. Aus Sicht der Grünen-Landtagsfraktion passt dies nicht zusammen. Die Grünen wollen nun mittels einer Anfrage herausfinden, weshalb die Warnung nur für Flussfische gilt und nicht auch Angelteiche und Seen kontrolliert werden sowie ggf. auch vor deren Verzehr gewarnt wird. Außerdem wollen die Grünen wissen, was die Landesregierung gegen die flächendeckend festgestellten Verunreinigungen der Flüsse in Niedersachsen tun möchte.

Das sagen die Grünen

Miriam Staudte, ernährungspolitische Sprecherin:

„Die Tragweite der Messergebnisse ist immens. Nach derzeitiger Lage bedeuten diese, dass alle an niedersächsischen Flüssen angelnden Menschen auf nicht absehbare Zeit ihren Fang nicht verzehren sollten. Wenn es sich bewahrheitet, dass die Warnung nur deswegen nicht auf stehende Gewässer ausgeweitet wurde, weil schlicht die Messdaten fehlen, wäre das ein Skandal. Betroffen wären dann nicht nur tausende Freizeitangler*innen, sondern auch dutzende Betriebe, die vom gewerblichen Fischfang leben. Warum in dieser unklaren Situation die Angelteiche wieder öffnen dürfen ist mir ein Rätsel.“

Imke Byl, umweltpolitische Sprecherin:

„Die Landesregierung muss nun umgehend alle Eintragsquellen für die giftigen Substanzen ausfindig machen und sich schnell um eine Sanierung der Flächen kümmern. Weitere Schadstoffeinträge müssen unter allen Umständen vermieden werden. Andernfalls riskieren wir unüberblickbare Langzeitfolgen für Mensch und Umwelt. Erst Ende 2018 hat die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nicht ohne Grund die Risiken durch PFAS neubewertet.“

Hintergrund

Bis Dezember 2019 hatte das LAVES 164 Flussfische aus Elbe, Ems, Weser, Aller und Oste auf Schadstoffe untersucht. Dabei wurden fast überall hohe Konzentrationen mit chemischen Stoffen aus der Gruppe der per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) nachgewiesen. Dies bedeutet, dass bereits bei nur 300 Gramm verzehrtem Fisch im Monat mit fast 40-prozentiger Wahrscheinlichkeit die von der EU empfohlene Aufnahmemenge krebserregender Stoffe aus der Gruppe der PFAS überschritten werde. Vor diesem Hintergrund gab das Niedersächsische Verbraucherschutzministerium am 17.04.2020 die „Verzehrempfehlung für Fisch aus Flüssen in Niedersachsen im Hinblick auf perfluorierte Alkysubstanzen (PFAS)“ heraus, in der nahegelegt wird, „Abstand von dem Verzehr von Fisch aus Flüssen in Niedersachsen“ zu nehmen.

PFAS finden wegen ihrer besonderen Eigenschaften in vielen Industriebereichen, aber auch im Haushalt Anwendung. So finden bzw. fanden sie sich z.B. in Pfannenbeschichtungen oder Imprägniersprays, aber auch in brandhemmenden Mitteln wie Löschschaum. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind viele PFAS giftig und reichern sich über die Nahrungskette an, da diese Verbindungen über eine große Stabilität und Langlebigkeit (Persistenz) verfügen.

Laut dem Jahresbericht der Binnenfischerei gab es 2018 in Niedersachsen 112 Aquakulturbetriebe und mindestens 40 gewerblich genutzte Angelteiche.

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