Erneuter Unfall der Erdölindustrie im Gifhorner Nordkreis Grüne: „Sicherheit ausbauen, auf Erneuerbare umsteigen!“

Vorhop. Ca. 300 m südlich des Wasserschutzgebietes Schönewörde und ca. 1,8 km südöstlich der Trinkwasserförderbrunnen des Wasserwerkes Schönewörde ereignete sich erneut ein Lagerstättenwasser-Unfall. Um die 200 Liter Lagerstättenwasser liefen bei einem Auffangbehälter des Erdöl-Förderkonzerns Vermilion über und kontaminierten den Boden. Bemerkt wurde dies erneut nicht durch Sicherheitseinrichtungen des Konzerns, sondern durch einen aufmerksamen Spaziergänger. Die entsprechende Einpressbohrung wurde durch Vermilion erst einmal außer Betrieb genommen, der betroffene Boden wurde entsorgt. Der Schadensfall ereignete sich bereits am Sonntag, den 10. Juli. Das zuständige Landesbergamt (LBEG) meldete den Unfall jedoch nicht über den eigenen Presseverteiler, sondern stellte eine Information dazu nur in die eigene Rubrik „Aktuelles“.

„Warum wird so ein Vorfall nicht offen kommuniziert?“, fragt Christian Schroeder, Fraktionsvorsitzender der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Kreistag Gifhorn und Stadtrat Wittingen. „Und weshalb muss wieder erst ein Spaziergänger auf das auslaufende Lagerstättenwasser aufmerksam werden? Was wäre passiert, wenn dieser Spaziergänger nicht vorbeigekommen wäre? Wie viel Lagerstättenwasser wären dann in Boden und Grundwasser gelangt? Ständig wird uns versprochen, dass stärker in die Sicherheit investiert wird. Wie erklärt sich dann dieser Unfall?“

Der Wasserbauingenieur und Förderindustrie-Kenner Bernd Ebeling erklärt: „Nach Aussage von Vermilion Energy sind die Bohrlochkeller mit einem Warnsystem ausgestattet, damit u.a. genau solche Unfälle schnell erkannt werden. Doch offensichtlich kann man den Aussagen des Unternehmens und dem Warnsystem selbst keinen Glauben schenken. Das hätte wirklich übel ausgehen können. Die an der Bohrung geplante Einpressmenge mit umweltschädlichem Lagerstättenwasser beträgt bis zu 250.000 Liter am Tag!“

Auch die Landtagsabgeordnete Imke Byl ist empört. „Noch im März 2020 hat mir die SPD-CDU-Landesregierung auf eine Landtagsanfrage öffentlich geantwortet, dass angeblich Förderplätze so angelegt werden, dass keine wassergefährdenden Stoffe in den Boden gelangen können. Nun müssen wir wieder sehen, wie wenig Verlass auf solche Aussagen der Industrie, aber auch der Landesregierung ist. Denn offensichtlich stimmt es nicht. Sollte bloß die Öffentlichkeit getäuscht und beruhigt werden? Die Sicherheitsrisiken der Erdölförderung und die Bevölkerung müssen endlich ernstgenommen werden!“

Schroeder, Ebeling und Byl fordern eine umfangreiche Aufklärung des Schadensfalls durch den verantwortlichen Erdölkonzern Vermilion Energy und das zuständige Landesbergamt.

„Der russische Angriffskrieg und die aktuelle Energiekrise zeigen uns, wie gefährlich es ist, von Unrechtsstaaten abhängig zu sein. Gleichzeitig sehen wir aber auch bei uns vor der Haustür, mit welchen Umweltgefahren die klimaschädliche Erdöl- und Erdgasförderung verbunden ist. Ich appellieren eindringlich an alle kommunalen Verantwortungsträger*innen und an alle Bürger*innen aktiv mitzuhelfen, den Ausbau von Windenergie- und Photovoltaikanlagen so sehr es geht zu beschleunigen. Jedes Windrad, das nicht gebaut wird, hält uns länger in der Abhängigkeit!“, erklärt Byl.

 

Weitere Informationen:

Die betroffene Erdölproduktionsbohrung wurde 1956 abgeteuft. Vor einiger Zeit erfolgte die Umrüstung der Produktionsbohrung Vorhop 25 zur Einpressbohrung, Einpresshorizont ist in 1.450 m Teufe. 

 Am 12.07.2022 berichtet das LBEG unter der Rubrik „Aktuelles“: 

„Untersuchungen zu Lagerstättenwasseraustritt dauern an“

-> https://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/neuigkeiten/untersuchungen-zu-lagerstattenwasseraustritt-dauern-an-213493.html


Die nds. Landresregierung schrieb im März 2020 in der Antwort auf die kleine Anfrage von Imke Byl, MdL Bündnis90/Die Grünen:

Frage: 

"Wird der Bohrplatz für die abgelenkten und umgenutzten Bohrungen entsprechend dem heutigen Stand der Technik ertüchtigt? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, inwiefern? Welche Regelungsgrundlage wird als Prüfkriterium zur Einhaltung des Standes der Technik herangezogen?"

Antwort:

"Bei der Gewinnung aus Erdölförderbohrungen können verschiedene Arten von Flüssigkeiten anfallen. Aus Gründen des Umweltschutzes und insbesondere des Gewässerschutzes werden Förderplätze so angelegt, dass keine wassergefährdenden Stoffe in den Boden gelangen können. [...]“

 

 

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