GE Healthcare: Strahlung freigesetzt und keiner wusste Bescheid Grüne: Landesregierung muss frühzeitig und transparent informieren

Im November vergangenen Jahres wurde am Betriebsstandort Braunschweig-Thune eine radioaktive Flüssigkeit verschüttet und Strahlung an die Umgebung abgegeben. Mit einer Landtagsanfrage haben die Grünen nun die Vorkommnisse rekonstruiert.

Dr. Rainer Mühlnickel, Grüner Ratsherr aus Braunschweig, warnt vor einer Verharmlosung des Zwischenfalls: „Es wurde eine erhebliche Menge Strahlung freigesetzt. Die Mitarbeiter, die die Dekontaminierung durchführen mussten, wurden erhöhten Personendosen ausgesetzt. Und dennoch wurde die Öffentlichkeit erst fünf Tage nach dem Vorfall informiert, das ist inakzeptabel.“ Mühlnickel verweist darauf, dass das Betriebsgebäude nicht über schützende Barrieren für Notfälle verfügt und dass Wohnbebauung, Schule und Kindergarten in unmittelbarer Nähe zum Betriebsgelände liegen.

Imke Byl, grüne Landtagsabgeordnete für die Stadt Braunschweig, kritisiert die verschleppte Informationspolitik der Landesregierung: „Umweltminister Olaf Lies muss dafür sorgen, dass die Menschen, die im Umfeld von Atomanlagen leben, schnellstmöglich über Zwischenfälle informiert werden. Die Anwohnerinnen und Anwohner wissen um das Gefahrenpotential und haben ein Recht auf Transparenz, gerade in heiklen Situationen.“ Das Umweltministerium dürfe sich nicht hinter Bundesregularien verstecken und müsse auch die zuständigen Katastrophenschutzbehörden in die Informationskette einbeziehen.

40 Milliliter einer mit radioaktiven Jod-131 versetzten Flüssigkeit wurden in der der Produktion von GE Healthcare verschüttet. Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch, 22. November 2017 um 8 Uhr. Daraufhin wurde die Produktion gestoppt und weitere Mitarbeiter zur Dekontamination hinzugezogen. Das Landesumweltministerium wurde von GE Healthcare erst am Folgetag informiert, nachdem der Betreiber festgestellt hatte, dass die Tagesgrenzwerte für die Ableitung von Radioaktivität über die Abluft überschritten wurden. Nach Angaben des Umweltministeriums ergaben Ausbreitungsberechnungen keine nachweisbaren Messwerte für die Umgebung. Die Ergebnisse der Berechnungen lagen dem Ministerium jedoch erst zwei Tage nach dem Zwischenfall vor. Die Öffentlichkeit wurde vom Umweltministerium erst fünf Tage nach dem Vorfall informiert. Bis heute kann oder will das Umweltministerium keine Angabe darüber machen, wie der Zwischenfall auf der internationalen Bewertungsskala für radiologische Ereignisse (INES) einzustufen ist.

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