Völkische und pro-russische Aktivitäten im Gifhorner Nordkreis Grüne fragen: „Was tut die Landesregierung gegen illegale Schulgründungen wie in Lüsche?“

Lüsche. Auf dem ehemaligen Gelände des Schullandheims in Lüsche in der Gemeinde Steinhorst betreiben Nicole Wolf, bekannt für ihre Moderation der rechten Querdenker-Großdemonstration im Februar in Gifhorn, und ihr Mann ein Schulungszentrum des österreichischen Vereins „Gaudium in Vita“. Der Verein tritt als Kooperationspartner der ISKA („Internationale Schul-, Sport- und Kultur-Akademie“) auf. Diese möchte ein neues Bildungssystem nach dem Vorbild des vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützten russischen Schetinin-„Lyzeum“ in Tekos (Russland) im deutschsprachigen Raum etablieren.

„Natürlich lernen ohne Schule“ verspricht „Gaudium in Vita“ auf seiner Webseite. Doch was sich wirklich auf dem Gelände des Vereins in Lüsche abspielt, hat laut Recherche des SWR und Endstation-Rechts.de mit einem Forschungsprojekt zum Thema Selbstbestimmtes Lernen so wohl wenig zu tun.

„Der Verein bietet Eltern aus der Querdenker- und der rechten Szene an, ihre Kinder unter dem Deckmantel der Forschungsfreiheit unserem Schulsystem und damit dem Kontext einer offenen Gesellschaft mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Positionen zu entziehen“, so Christian Schroeder, grüner Fraktionsvorsitzender im Kreistag Gifhorn. „Lüsche soll offensichtlich zu einem völkisch-nationalistischen Zentrum ausgebaut werden. So etwas dürfen wir nicht einfach unwidersprochen hinnehmen.“

„Mit solchen Gründungen werden Kinder aus rechten und rechtsextremen Kreisen von klein auf völkisch-nationalistisch indoktriniert und von historischen und wissenschaftlichen Fakten ferngehalten“, erklärt Anke Reinemann, sozialpolitische Sprecherin der Grünen. „Rechte Akteur*innen gehen ganz gezielt in den ländlichen Raum, um dort unter dem öffentlichen Radar solche Schulungszentren aufzubauen. Das Schulungszentrum in Lüsche ist sogar über das Bundesgebiet hinaus in die rechte Szene vernetzt. Das ist kein kleines Problem vor Ort, sondern von landesweiter Bedeutung.“

Was lässt sich gegen das rechte Schulungszentrum tun und wie kann der Einfluss völkischer Propaganda auf Schüler*innen verhindert werden? Um diese und weitere Fragen zu klären, hat die Gifhorner Grünen-Landtagsabgeordnete Imke Byl eine offizielle Anfrage an die Landesregierung gestellt. „Ich bin alarmiert hinsichtlich der Aktivitäten in Lüsche und hoffe, dass sich die Landesregierung schnellstmöglich mit den Vorgängen befasst. Wir brauchen Unterstützung. Die Gemeinde und der Landkreis dürfen damit nicht allein gelassen werden.“

 

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